In der NGZ vom 17. Februar 2010 berichtet Redakteur Wiljo Piel über den alten Wasserturm in Wickrath: Früher gehörte er zu Grevenbroich, heute wirder zum Politikum: Der alte Wasserturm in Wickrath muss saniert werden. Der Eigentümer, die Kreiswerke in Kapellen, würden das Gemäuer am liebstenabreißen.

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Er ragt 55 Meter in die Höhe, hat fast 100 Jahre auf dem Buckel und ist so etwas wie ein alter Grevenbroicher Außenposten: der Wasserturm, das Wahrzeichen von Wickrath. Die einst selbständige Gemeinde gehörte bis 1975 zum damaligen Kreis Grevenbroich, mit der Gebietsreform ging sie an die Stadt Mönchengladbach über. Und damit auch der alte Turm, der seit etwa 30 Jahren nicht mehr in Betrieb ist. Zuständig für das markante architektonische Gebäude sind aber nach wie vor die Kreiswerke in Kapellen - und die würden das Ding am liebsten abreißen.

Denn der Wasserturm ist stark sanierungsbedürftig, es würde rund 850 000 Euro kosten, um ihn wieder auf Vordermann zu bringen. "Eine enorme Summe", gibt Stefan Stelten zu. Der Geschäftsführer der in Grevenbroich beheimateten Kreiswerke sieht derzeit wenig Sinn darin, so viel Geld in dieses Gebäude zu investieren: "Für uns gilt es schließlich, auf die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens zu achten. In schwierigen Zeiten müssen wir uns fragen, ob wir eine solche Aktion überhaupt verantworten können." Denn mit dem Sanieren des alten Gemäuers - knapp 19 Kilometer vom Grevenbroicher Stadtzentrum entfernt - sei es alleine nicht getan: "Langfristig gesehen verschlingt der Turm eine Menge Geld, etwa durch Versicherungen, Reparaturen oder Kapitalkosten, die halt anfallen", so Stelten. Zum Vergleich: Das Abreißen des Gebäudes würde 100 000 Euro kosten.

Also Abriss? Nicht wirklich! Denn nachdem 2006 die einsturzgefährdete Turmhaube demontiert wurde, gründete sich in Wickrath eine Bürgerinitiative, die für den Erhalt des Bauwerks kämpfte. Mit Erfolg, die Kreiswerke sagten damals eine umfangreiche Sanierung zu. "Da stehen wir als Kaufleute im Wort", sagt Stefan Stelten. Er gibt jedoch zu bedenken: "Durch die enormen Kosten, die entstehen, würden unsere Kunden belastet." Bedeutet das eine Erhöhung des Wasserpreises, von der auch Grevenbroicher betroffen sein könnten? "Nein", versichert der Geschäftsführer: "In dieser Größenordnung würde sich das nicht bemerkbar machen." Ihm gehe es darum, die Kreiswerke wirtschaftlich zu halten.

Vor dem Hintergrund der Sanierung hat Stefan Stelten der Stadt Mönchengladbach einen Deal angeboten. Die hat nämlich den Kreiswerken per Ratsbeschluss zugesichert, sich mit 40 Prozent an den Restaurierungskosten zu beteiligen. Stelten rechnet: "Wenn wir uns für den Abriss entscheiden würden, entfiele der Kostenanteil der Stadt in Höhe von etwa 325 000 Euro, die Kreiswerke würden etwa 400 000 Euro sparen, die wir der Stadt schenken möchten." Der Chef des Grevenbroicher Versorgungsunternehmens betrachtet dies als eine gute Lösung: "Mit dem Geld könnten sinnvollere Dinge finanziert werden, etwa in den Bereichen Kindergärten, Schulen oder Sport."

Mönchengladbachs Oberbürgermeister Norbert Bude hat das Angebot zur Kenntnis genommen - doch: "Das ist eine politische Entscheidung. Da werde ich nicht vorgreifen." Die Diskussion um den Erhalt des Grevenbroicher Außenpostens wird in Kürze in der Bezirksvertretung West beginnen.

 

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