Im IHK-Magazin (Ausgabe Okober/November 2010) schreibt Joachim Ludewig über die Gründung des Trinkwasserverbundes Niederrhein:

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Der Wasserwirtschaft in Deutschland stehen turbulente Zeiten ins Haus: Zum einen sind bundesweit sowohl der Verbrauch als auch die Förderung von Trinkwasser bei nahezu gleich bleibenden Kosten spürbar gesunken, zum anderen sorgt ein Urteil des Bundesgerichtshofes (BGH) vom Februar 2010 für erhebliche Unruhe. Der BGH nimmt die Preisdifferenzen von bis zu 300 Prozent innerhalb Deutschlands zum Anlass, eine Angleichung der Preise in Deutschland zu fordern. Dagegen wehren sich die Wasserversorger, die auf geografische und strukturelle Ursachen für die Kosten- und Preisdifferenzen hinweisen etwa durch kostenintensive Pumpstationen im Bergland und lange Versorgungswege in ländlichen Regionen.

Mehr als 5.000 Wasserversorgungsunternehmen gibt es in ganz Deutschland, davon mehr als 560 in Nordrhein-Westfalen. Der Gesamtumsatz der Branche wird auf jährlich 10 Mrd. Euro geschätzt. Jeder Bundesbürger gibt täglich 23 Cent für Trinkwasser aus. Der Pro-Kopf-Verbrauch ist in den vergangenen 17 Jahren um rund 16 Prozent gesunken. Ursache hierfür sind Wasser sparende Haushaltsgeräte und Armaturen im privaten Bereich sowie Mehrfachnutzung und Wasserrecycling bei den Produktionsprozessen. Nach wie vor sind rund 80 Prozent der Wasserkunden private Haushalte und kleine Betriebe. Größere Unternehmen versorgen sich häufig aus eigenen Brunnen.

Ein Blick über die Grenzen zeigt, dass der Zusammenschluss kleinerer Wasserversorger zu größeren Einheiten zu Kostenersparnissen und niedrigeren Verbraucherpreisen führen kann. In den Niederlanden beispielsweise gibt es seit der Unternehmens-Konzentration der 1970er Jahre in der Wasserwirtschaft heute nur noch 20 statt vorher über 100 Unternehmen. Sowohl bei der Trinkwasser-Qualität als auch bei der Versorgungssicherheit sind die niederländischen Wasserversorgermit den deutschen vergleichbar. Am Niederrhein haben sich jetzt drei Wasserversorger zu einem Trinkwasserverbund zusammengeschlossen, der für Synergien bei der Versorgung in der Region sorgen soll. Die Niederrheinische Versorgung und Verkehr (NW), die Stadtwerke Neuss GmbH (swn energie und Wasser) und die Kreiswerke Grevenbroich (KWG) wollen kooperieren, weil sie unter anderem mit langfristigen Veränderungen bei der Trinkwassergewinnung im Zusammenhang mit dem Braunkohle-Tagebau rechnen. Die drei gleichberechtigten Gesellschafter des Trinkwasserverbunds Niederrhein (TWN) sehen den Vorteil ihrer Kooperation darin, sowohl bei der Gewinnung als auch bei der Aufbereitung und beim Transport des Wassers Kompetenzen bündeln zu können. Zu den nun zu klärenden Fragen gehören unter anderem die Mischbarkeit des aus verschiedenen Quellen stammenden Wassers und die zur Verfügung stehenden Förderkapazitäten und Behälterreserven.

„Die drei Partner sind sich einig: Wenn sie ihre Kompetenzen bündeln, können sie wassertechnische Möglichkeiten entwickeln, die jeder Einzelne nicht realisieren könnte", erklärt Stefan Stelten von den Kreiswerken Grevenbroich, der die kaufmännische Leitung des Trinkwasserverbunds übernommen hat und zugleich dessen Sprecher ist. „Im Verbund sind die Ziele Versorgungssicherheit, Qualitätsgarantie und Preisstabilität leichter zu erreichen."

In der Trinkwasserverbund Niederrhein GmbH haben sich mit den Kreiswerken Grevenbroich und der Mönchengladbacher NW zwei der größten Wasserversorger im Bundesgebiet zusammengeschlossen, die auf eine Liefermenge von jeweils rund 10 Mio. cbm im Jahr kommen. Die Stadtwerke Neuss liefern jährlich rund 5 Mio. cbm an ihre Kunden. Von der Suche nach freien Kapazitäten bei Förderung, Aufbereitung und Transport und der Beseitigung von Engpässen versprechen sich die Partner Synergieeffekte. Mit deren Hilfe soll auch vor dem Hintergrund des BGH-Urteils und dessen zu erwartenden Konsequenzen eine Wasserwirtschaft am Niederrhein sichergestellt werden, die sowohl für die Verbraucher als auch für die Versorger kalkulierbar bleibt.

Kreiswerke Grevenbroich GmbH
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